
Schließung von Kohlekraftwerken in Europa: Zeitplan 2025-2026
Schließung von Kohlekraftwerken in Europa: Zeitplan 2025-2026
Der europäische Kontinent steht am Rande einer massiven Transformation in der Energiegeschichte. Einst der Motor der industriellen Revolution, weicht Kohle nun saubereren Alternativen im Einklang mit den Zielen des "Green Deal". Die Jahre 2025 und 2026 werden zu den kritischsten Wendepunkten dieser Transformation gehören. In diesem Artikel untersuchen wir den Prozess der Schließung von Kohlekraftwerken in Europa durch länderspezifische Analysen und technische Details.
Europas Kohleausstiegsstrategie: Überblick
Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 der erste kohlenstoffneutrale Kontinent der Welt zu werden. Im Mittelpunkt dieser Vision steht die vollständige Beseitigung von Kohle, die die höchste Kohlenstoffintensität in der Stromerzeugung aufweist, aus dem System. Die Jahre 2025 und 2026 werden nicht nur eine Zeit markieren, in der alte Kraftwerke stillgelegt werden, sondern auch eine Testphase, in der die Stabilität des Netzes von fossilen Brennstoffen, die die "Grundlast" bereitstellen, auf erneuerbare Energien umschaltet.
Wichtige Treiber der Transformation:
ETS (Emissionshandelssystem): Der Anstieg der Kohlenstoffpreise hat Kohlekraftwerke wirtschaftlich unhaltbar gemacht.
Kosten für erneuerbare Energien: Dramatische Rückgänge der Kosten für Solar- und Windenergie.
Geopolitische Notwendigkeit: Die Suche nach Energieunabhängigkeit nach dem Russland-Ukraine-Krieg.
1. Vereinigtes Königreich: Das Ende des Kohlezeitalters
Obwohl das Vereinigte Königreich die Wiege der Kohle ist, hat es sich zur größten Wirtschaft entwickelt, die diesen Brennstoff am schnellsten aufgegeben hat. Der Zeitraum 2025-2026 wird als die ersten Jahre der "Post-Kohle"-Ära für England verzeichnet werden.
Zeitplan und Politik
Im September 2024 wurde das letzte Kohlekraftwerk in England, Ratcliffe-on-Soar, offiziell geschlossen. Daher werden 2025 und 2026 die ersten vollständigen Kalenderjahre ohne Kohle für England sein.
2025 Ziel: Der vollständige Ersatz des letzten 1-2% Anteils, der von Kohle geräumt wurde, durch erneuerbare Quellen.
Politik: Führung der "Powering Past Coal Alliance."
Was kommt als Nächstes?
England füllt das von der Kohle hinterlassene Vakuum mit massiven Offshore-Windparks und neuen Generation SMR (Small Modular Reactors) Projekten. Darüber hinaus wird saubere Energie aus Norwegen und Frankreich über Interkonnektoren, die unter der Nordsee verlaufen, importiert.
2. Deutschland: Europas Energiemacht kämpft
Deutschland ist der größte Kohleverbraucher in Europa. Für ein Land, das sowohl Braunkohle als auch Steinkohle verwendet, markieren die Jahre 2025-2026 den Beginn geplanter signifikanter Abschiede.
Schließungszeitplan 2025-2026
Name des Kraftwerks | Kapazität (MW) | Typ | Geschätzte Schließung |
1.200 | Braunkohle | März 2025 | |
600 | Braunkohle | Ende 2025 | |
Jänschwalde (Block A-B) | 1.000 | Braunkohle | Winter 2025/2026 |
Scholven C | 345 | Steinkohle | 2026 |
Energiepolitik: "Kohleausstieg"
Deutschland hatte ursprünglich einen Kohleausstieg bis 2038 angestrebt; die aktuelle Regierung versucht jedoch, dieses Datum auf 2030 vorzuverlegen. Während des Zeitraums 2025-2026 stellt insbesondere die Schließung von Braunkohlekraftwerken in der Rheinregion eine erhebliche logistische Herausforderung für Industriegebiete dar.
Was kommt als Nächstes?
Grüner Wasserstoff: Standorte ehemaliger Kohlekraftwerke werden in Wasserstoffproduktionszentren umgewandelt.
Solarpanel-Boom: Massive Solarfelder werden insbesondere in Bayern und Sachsen eingerichtet.
Erdgas (Übergangsenergie): "Wasserstofffähige" Erdgas-Kraftwerke übernehmen kurzfristig eine ausgleichende Rolle.
3. Frankreich: Kernenergie und darüber hinaus
Frankreich, das etwa 70% seiner Energieproduktion aus Kernenergie bezieht, gehört zu den Ländern mit der geringsten Abhängigkeit von Kohle. Die Situation der verbleibenden wenigen Kraftwerke wird jedoch 2025-2026 klarer werden.
Zeitplan
Frankreich hat nur noch zwei große Kohlekraftwerke: Saint-Avold und Cordemais.
2025: Die Regierung hat es diesen Kraftwerken erlaubt, als Backup-Strom bei niedriger Kapazität zu bleiben.
2026: Der vollständige Übergang des Kraftwerks Cordemais zu Biomasse oder dessen Schließung ist geplant.
Politik und Auswirkungen
Die Strategie Frankreichs zielt darauf ab, Kohle vollständig aus der Gleichung zu entfernen und die Synergie von Kern- und erneuerbaren Energien im Rahmen des "Gesetzes über kohlenstoffarme Energie" zu maximieren. Die geschlossene Kohlekapazität (ca. 1,8 GW) wird durch den neu in Betrieb genommenen Flamanville 3 EPR-Kernreaktor mehr als kompensiert.
4. Italien: Die Sonne geht im Mittelmeer auf
Italien verfolgt einen ziemlich aggressiven Zeitplan für den Kohleausstieg. Das Jahr 2025 wurde als "kohlenfreies" Jahr für das Festland Italien festgelegt.
2025 Kritisches Jahr
Der italienische Energieriese Enel hat sich verpflichtet, bis 2025 alle Kohlekraftwerke in Italien zu schließen.
Civitavecchia (Torrevaldaliga Nord): 1,9 GW Kapazität. Erwartete Schließung bis Ende 2025.
Brindisi (Federico II): 2,6 GW Kapazität. Die schrittweise Schließung wird 2025 abgeschlossen sein.
Ausnahme: Sardinien
Kraftwerke auf der Insel Sardinien könnten bis 2026-2028 Flexibilität zeigen, um die Energiesicherheit zu gewährleisten, aber das Festland wird bis Ende 2025 von der Kohle Abschied genommen haben.
Was kommt als Nächstes?
Italien investiert massiv in Solarenergie und Energiespeicher (Batterie) Systeme, indem es seinen geografischen Vorteil nutzt. Darüber hinaus werden Kohlekraftwerke aufgrund logistischer Vorteile in Rechenzentren oder erneuerbare Energieparks umgewandelt.
5. Polen: Die herausforderndste Transformation
Für Polen, Europas Kohle-"Festung", ist der Prozess im Vergleich zu anderen Ländern viel schmerzhafter. Polen bezieht immer noch mehr als 60% seiner Stromproduktion aus Kohle.
Erwartungen 2025-2026
In Polen werden 2025 und 2026 Jahre der "Modernisierung und Verkleinerung" sein, anstatt großer Schließungen. Einige Einheiten massiver Kraftwerke wie Bełchatów (Europas größter Umweltverschmutzer) sollen jedoch ab 2026 aufgrund von Effizienzverlusten stillgelegt werden.
Politik: Polen hat sich verpflichtet, Kohlenbergwerke bis 2049 zu schließen, aber nach 2025 wird ein Anstieg der Windinvestitionen (Ostsee) auf der Seite der Stromproduktion erwartet.
NABE-Projekt: Der Staat versucht, den Prozess zu steuern, indem er Kohlevermögen unter der "Nationalen Agentur für Energiesicherheit" (NABE) konsolidiert.
Gesamtwirkung der Kapazität und Netzsicherheit
Im Zeitraum 2025-2026 wird in Europa voraussichtlich eine Kohlekapazität von etwa 15-20 GW stillgelegt. Diese Menge entspricht dem Energiebedarf von Millionen von Haushalten.
Risiken und Chancen:
Dunkelflaute: Könnte es an Wintertagen, an denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, an Grundlast fehlen? Experten weisen darauf hin, dass erhöhte Batteriekapazitäten und flexibles Nachfrage-Management dieses Risiko minimieren werden.
Wirtschaftliche Auswirkungen: Arbeitsplatzverluste in den Kohleregionen sollen durch neue Technologiearbeitssektoren, die durch den "Just Transition Fund" der EU finanziert werden, ausgeglichen werden.
Fazit: Der letzte Tanz der Kohle
Die Schließung von Kohlekraftwerken in Europa ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Realität geworden. Die Jahre 2025 und 2026 werden als die Jahre verzeichnet, in denen England seine kohlenfreie Führungsrolle festigte, Italien die Kohle auf dem Festland beendete und Deutschland erhebliche Transformationsschmerzen erlebte.
Für Energie-Forscher und politische Entscheidungsträger dient dieser Prozess als lebendes Labor, das demonstriert, "wie man sich nicht von fossilen Brennstoffen trennt", sondern "wie man es am effizientesten tut".


